Die Kunst des Geistes kommt vor der Kunst der Technik
- Mandy Schloderer

- 26. Apr.
- 2 Min. Lesezeit
Manchmal spüren wir es ganz deutlich:
Die Technik sitzt – und trotzdem fühlt es sich nicht richtig an.
Vielleicht kennst du diesen Moment, in dem dein Körper genau weiß, was zu tun ist, dein Kopf aber noch zweifelt. Oder dein Bauchgefühl sagt, dass etwas Entscheidendes fehlt.
Genau hier setzt eine der zentralen Lehren im Shotokan Karate an:
Der Geist kommt vor der Technik.
Innere Haltung schlägt äußere Perfektion
Karate beginnt nicht mit der Bewegung, sondern mit der Entscheidung dahinter.
Mit der Klarheit, warum wir etwas tun.
Mit der Haltung, wie wir anderen begegnen.
Mit dem Mut, unseren eigenen Weg zu gehen – auch dann, wenn er nicht dem Erwarteten entspricht.
Im Training zeigt sich das oft ganz praktisch:
Manche analysieren jede Bewegung genau, andere bleiben geduldig dran, wieder andere probieren einfach aus, handeln spontan oder spüren intuitiv, was gerade richtig ist. Und dann gibt es diese leisen Stimmen in uns, die sich fragen, wie sich alles noch weiterentwickeln könnte.
All das gehört dazu. All das ist Karate.
Was das mit LGBTQ+ Akzeptanz zu tun hat
Wenn der Geist vor der Technik kommt, bedeutet das auch:
Unsere innere Haltung bestimmt unser äußeres Verhalten.
Und genau das ist entscheidend, wenn es um Vielfalt und Akzeptanz geht.
Es reicht nicht, die „richtigen Worte“ zu kennen oder sich äußerlich korrekt zu verhalten.
Wirkliche Offenheit entsteht erst dann, wenn wir bereit sind, Menschen ehrlich zu begegnen – ohne vorschnelle Bewertung.
Vielleicht hast du selbst schon erlebt, wie es sich anfühlt, nicht ganz dazuzugehören.
Oder dich gefragt, ob du so, wie du bist, wirklich akzeptiert wirst.
Dieses Gefühl verbindet viele – unabhängig von Identität oder Orientierung.
Karate kann hier ein sicherer Raum sein. Ein Ort, an dem nicht bewertet wird, sondern begegnet. An dem Respekt nicht an Bedingungen geknüpft ist.
Das Dojo als Raum für echte Begegnung
Im Dojo zeigt sich diese Haltung jeden Tag:
im respektvollen Grüßen
im achtsamen Miteinander
im gegenseitigen Unterstützen
Hier zählt nicht, wer du „sein sollst“, sondern wer du bist.
Und genau das macht den Unterschied.
Denn eine Technik kann man lernen.
Aber eine offene, respektvolle Haltung – die entsteht durch Bewusstsein.
Fazit: Stärke beginnt im Kopf und im Herzen
Funakoshis Regel erinnert uns daran, dass wahre Entwicklung immer von innen kommt.
Nicht Perfektion macht uns stark, sondern Klarheit.
Nicht Kontrolle, sondern Verständnis.
Nicht Anpassung, sondern Echtheit.
Wenn wir unseren Geist schulen, verändert sich automatisch unser Handeln.
Wenn wir offen denken, entsteht echter Respekt.
Wenn wir Menschen so annehmen, wie sie sind, wird Karate zu dem, was es wirklich sein soll: ein Weg.
Wie erlebst du „Geist vor Technik“ – im Training oder im Alltag? Ich freue mich auf deine Gedanken in den Kommentaren!
Osu, Mandy



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