4. Advent: Zwischen Hürden und Herzmomenten
- Mandy Schloderer

- 21. Dez. 2025
- 2 Min. Lesezeit
Der vierte Advent fühlt sich oft besonders an. Es ist der Moment kurz vor dem Innehalten, kurz bevor das Jahr ganz leise wird. Und genau deshalb möchte ich heute einen weiteren Teil von Fritz’ Interview mit euch teilen. Seine Worte haben mich lächeln lassen – und gleichzeitig tief berührt. Weil sie so ehrlich zeigen, dass Freude und Herausforderung im Karate oft ganz nah beieinanderliegen.
Was hat dir am meisten Spaß gemacht und was waren deine größten Hürden beim Training?
Fritz begann seine Antwort wie so oft mit einem Augenzwinkern: Er fragte sich, woher ich diese scheinbar harmlosen Fragen nehme – Fragen, die sich eben nicht mit Ja oder Nein beantworten lassen. Und dann stürzte er sich mitten hinein.
Zuerst, schrieb er, sei eigentlich alles eine einzige, scheinbar unüberbrückbare Hürde gewesen. Und danach kam der Spaß. Spaß gemacht hat ihm vor allem das Training in der Gruppe, mit Menschen auf einem ähnlichen Leistungsstand. Gemeinsam zu üben, gemeinsam zu scheitern, gemeinsam dranzubleiben.
Eine große Hürde war für ihn das Erlernen neuer Übungen – besonders dann, wenn das Tempo stetig erhöht wurde. Die Koordination wollte nicht immer so, wie er selbst es gern gehabt hätte. Sein Körper kommentierte das Ganze wohl regelmäßig mit einem inneren:
„Eh Alter, stimmt was nicht mit dir? Können wir das nicht langsamer angehen lassen?“
Manchmal nahm er bewusst Tempo heraus. Doch das brachte neue Schwierigkeiten mit sich: Die jungen, gewandteren Karateka machten einfach weiter – und Fritz war plötzlich aus dem Rhythmus. Trotz des Zuspruchs seines Sensei hat ihn das schwer gefuchst. Nicht aus übermäßigem Ehrgeiz, sondern aus einem inneren Anspruch heraus:
Wenn ich etwas anfange, dann möchte ich es auch ordentlich machen.
Und dann kam sie – die erste Kata. Für Zuschauer*innen vermutlich schwer anzusehen, wie er selbst mit Humor schrieb: „Der Tanzbär ward der Kette entrissen.“
Für ihn jedoch war es ein echter Glücksmoment. Die Verbindung all dessen, was er gelernt hatte, in einem fließenden Bewegungsablauf – das hat ihn fasziniert.
Besonders berührt hat mich, was er dann schilderte: Die Unterstützung im Dōjō. Die Selbstverständlichkeit, mit der andere Karateka ihm zur Seite standen. Und die Erinnerung an einen jungen Menschen, viele Jahrzehnte jünger als er, der gemeinsam mit ihm die Kata lief. Der ansagte, wartete, sich anpasste – sodass nach außen ein halbwegs fließendes Bild entstand. „Da war er wieder“, schrieb Fritz, „der Spaß in der Schwierigkeit.“
Und dieser junge Karateka habe das gern gemacht – ohne Zögern, ohne Wertung.
Beim Lesen dieser Zeilen wurde mir einmal mehr bewusst, worum es im Karate wirklich geht:
Nicht um Perfektion.
Nicht um Geschwindigkeit.
Sondern um Menschlichkeit, gegenseitige Achtung und das gemeinsame Gehen eines Weges.
Ich wünsche euch einen ruhigen und schönen vierten Advent.
In liebevoller Erinnerung, Mandy PS: Hier findest du die vorherigen Interviewteile mit Fritz:



Kommentare