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Warum ich den SKVD verlasse

Autorenbild: Lizbeth Wischnewski
Lizbeth Wischnewski
vor 2 Tagen
3 Min. Lesezeit

Tränen und Augen
Die Trauer in mir sitzt tief

Seit 1991 war ich Mitglied im SKVD, dem Verband, in dem ich mich mit meinem Karate lange zuhause gefühlt habe. Nach langer Überlegung habe ich mich dazu entschieden auszutreten. Dieser Schritt fällt mir sehr schwer, aber ich muss den gehen. Ich möchte erklären, wie es dazu gekommen ist, weil ich glaube, dass solche Entscheidungen mehr Offenheit verdienen als Schweigen.

Wie alles begann

Ich bin seit 1991 Mitglied des SKVD. Während meines Auslandsaufenthalts von 1997 bis 2002 ruhte meine Mitgliedschaft. Vor vierundzwanzig Jahren bin ich in den Verband zurückgekehrt und habe mich dabei bewusst für Shihan Flindt und den Verband entschieden. Ausschlaggebend waren Integrität, Persönlichkeit und fachliches Können. Die weiten Wege zu den Lehrgängen waren nie bequem, doch es hat sich für mich gelohnt. Später habe ich mein gesamtes Dojo in den Verband geführt. Wir sind gern gefahren, und meine Schüler:innen haben diese Entscheidung mitgetragen.

Auch persönlich habe ich dort viel Vertrauen erfahren. Als ich vor ein paar Jahren erstmalig über meine Transidentität gesprochen habe, ist mir mit Offenheit entgegen gebracht worden. Das hat mir damals Mut gemacht.

Wenn ein Name mehr ist als eine Formalie

Zu meiner Godan-Prüfung habe ich meinen neuen Namen angegeben. Die Urkunde wurde dennoch auf meinen Deadname ausgestellt, mit der Begründung, eine Änderung über das Office des japanischen Dachverbands sei nicht möglich gewesen. Später habe ich mich selbst dorthin gewandt, und die Korrektur war mit sehr geringem Aufwand möglich. Online steht heute mein richtiger Name.

Entscheidend war für mich das Gespräch, in dem ich von dieser Korrektur berichtet habe. Die Reaktion darauf hat mich in ihrer Art und Stärke zutiefst getroffen. Ich habe sie so erlebt, als gehe es weniger um mich als Person als um die Frage, wer in solchen Dingen entscheidet. Dieses Gespräch ist der Grund, warum ich seitdem nur auf wenigen, ausgewählten Lehrgängen war. Das war keine Entscheidung gegen den Verband, sondern die Folge dieses Moments. Aufhängen werde ich diese Urkunde nie, ihr Anblick bringt nur Schmerzen und verletzt eigentlich gute Erinnerungen. Noch habe ich sie aber auch nicht vernichtet. Sie ist das einzige Dokument, welches diesen Fortschritt bestätigt, nur gefühlt ist es nicht mein Erfolg, sondern der einer toten Person.

Eine Frage der Haltung

Der zweite Grund liegt in einer grundsätzlichen Frage. Kampfkünste sprechen gern von Respekt, Disziplin und Demut. Für mich schließen diese Werte ausnahmslos alle Menschen ein. Wenn im Umfeld einer Verbandsveranstaltung die Nähe zur rechtsextremen Szene zum Thema wird, reicht es aus meiner Sicht nicht, sich herauszuhalten.

Ich kenne die Vorgänge nur aus den Berichten mehrerer unabhängiger Stimmen aus verschiedenen Dojos, selbst war ich nicht vor Ort. Gerade deshalb möchte ich vorsichtig sein, wenn es um einzelne Personen geht. Mir geht es um das Prinzip: Neutralität gegenüber Parteien ist etwas anderes als Gleichgültigkeit gegenüber der Würde von Menschen. Wer einen Verband führt, entscheidet mit seiner Haltung auch darüber, wer sich in diesem Verband willkommen fühlen kann. Schweigen ist in solchen Momenten selbst eine Positionierung.

Zwei Erfahrungen, eine Frage

Beide Erfahrungen haben für mich denselben Kern. Es ging jeweils darum, ob persönliche Entwicklung und klare Werte im Verband verlässlich Rückhalt finden oder nur so lange, wie sie bequem sind. Ich hätte mir an beiden Stellen eine aktive, eindeutige Haltung gewünscht. Diese Erwartung ist hoch, aber ich halte sie für berechtigt.

Meine Entscheidung

Ich habe lange überlegt, ob und wie es für mich weitergehen kann, und sehe für mich in diesem SKVD keine Zukunft mehr. Deshalb trete ich aus. Die Leitung des Dojos habe ich an meine Nachfolgerin Mandy übergeben, die sich bereit erklärt hat, sie bis auf Weiteres zu übernehmen. Das Dojo selbst bleibt im SKVD, und auf Wunsch aller Mitglieder bleibe ich als Trainerin erhalten. Für meine Schüler:innen soll sich im Training nichts ändern, denn ihre Zukunft darf nicht unter meinen Entscheidungen leiden.

Was bleibt

Ich bin dankbar für das, was ich in all diesen Jahren lernen durfte, im Karate und über mich selbst. Diese Zeit nimmt mir niemand. Ich hoffe, dass sich Verbände wie dieser der Frage stellen, wofür sie stehen, wenn es unbequem wird. Mir ist klar, dass kleine Gemeinschaften Angst haben, Mitglieder zu verlieren. Aber die Sorge vor Folgen darf kein Grund sein, bei grundlegenden Werten zu schweigen.

Karate bleibt mein Weg. Er nimmt künftig aber einen anderen, neuen und ungewissen Verlauf.


 
 
 

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