Karate verbindet: Gemeinsam statt gegeneinander

Es sind bewegte Zeiten. Gesellschaftliche und politische Diskussionen können uns beschäftigen und voneinander entfernen.
Gerade jetzt lohnt es sich, an einen Grundsatz unserer Kampfkunst zu erinnern: Karate beginnt und endet mit Respekt.
Für mich ist das mehr als eine Tradition, vor und nach dem Training eine Verbeugung zu machen. Respekt zeigt sich vor allem dann, wenn es schwierig wird. Wenn wir anderer Meinung sind. Wenn uns eine Aussage ärgert. Wenn wir die Sichtweise eines anderen Menschen nicht nachvollziehen können.
Wir kennen nicht jede Lebensrealität
Ich lebe in München. Wie Menschen in anderen Regionen Deutschlands ihren Alltag erleben und welche Herausforderungen sie beschäftigen, kann ich nicht immer aus eigener Erfahrung beurteilen.
Ob bezahlbarer Wohnraum, medizinische Versorgung auf dem Land, fehlende Busverbindungen oder Lehrermangel in manchen Regionen: Die Lebensrealitäten sind vielfältig.
Ich möchte mir nicht anmaßen, alles zu verstehen. Aber ich kann zuhören, nachfragen und versuchen, die Perspektive meines Gegenübers kennenzulernen, bevor ich urteile.
Das bedeutet nicht, jede Meinung gutzuheißen. Respekt heißt nicht Zustimmung. Respekt heißt, dem Menschen gegenüber die Menschlichkeit nicht abzusprechen.
Was uns als Karateka verbindet
Bei Lehrgängen treffen wir Karateka aus unterschiedlichen Dojos in ganz Deutschland. Wir trainieren miteinander, lernen voneinander und teilen unsere Begeisterung für Shotokan Karate.
Auf der Tatami begegnen wir uns mit Respekt. Wir vertrauen einander, fordern uns heraus und helfen uns, besser zu werden. Dabei bringen wir unterschiedliche Erfahrungen, Persönlichkeiten und Ansichten mit.
Warum sollte das außerhalb des Dojos plötzlich nicht mehr möglich sein?
Unsere Kampfkunst lehrt uns, an uns selbst zu arbeiten. Dazu gehört für mich auch, die eigene Haltung zu hinterfragen, Kritik auszuhalten und nicht bei jeder Meinungsverschiedenheit die Verbindung zum anderen aufzugeben.
Natürlich gibt es Grenzen. Respekt bedeutet nicht, alles hinzunehmen oder Unrecht schweigend stehen zu lassen. Aber zwischen Zustimmung und Kontaktabbruch gibt es einen wichtigen Raum: den Raum für ehrliche Gespräche und gegenseitiges Verständnis.
Karate ist auch eine Haltung fürs Leben
Ich stehe für Menschlichkeit und Miteinander. Ich möchte Brücken bauen, statt Gräben zu vertiefen. Gerade in schwierigen Zeiten sollten wir uns daran erinnern, was uns verbindet, anstatt nur auf das zu schauen, was uns trennt.
Der wahre Wert unseres Verbandes zeigt sich nicht nur darin, wie wir miteinander trainieren, sondern auch darin, wie wir einander begegnen, wenn wir unterschiedlicher Meinung sind.
Lasst uns den Respekt, den wir im Dojoüben, mit in unseren Alltag nehmen. Denn Karate endet nicht an der Dojotür.
Osu, Mandy





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